first rule is

um ehrlich zu sein: ich habe mal mehr gelesen. zum intellektuellen-status hat und wird es zwar nie reichen, aber ein bisschen input von anderen menschen ist eigentlich keine schlechte sache. nun liest man ueblicherweise aus zwei gruenden, die sich manches mal miteinander vermengen: entweder zur bildung und information, oder aber zur zerstreuung und unterhaltung. und es gibt eben auch unterhaltungsliteratur, die einen verschrecken, einschuechtern, auf die folter spannen soll, so wie es eben auch the ring gibt, fuer leute, die einen film gucken, um sich davon erschrecken zu lassen.

erschrecken moechte chuck palahniuk auch, glaube ich. darum schreibt er seit vielen jahren buecher, das bekannteste, weil als film adaptierte von ihnen duerfte fight club sein. diesen film habe ich damals im kino gesehen, ich erinnere mich sehr genau. das war schon beeindruckend, vor allem als nicht sonderlich heller teenager: da guckt man ueber eine stunde gebannt auf den bildschirm, wie sich der damals ganz unbestritten sexies man alive brad pitt mit ein paar anderen harten burschen die schnauze einhaut. warum er das tut, erklaert tyler durden in pathetischen worten:

Man, I see in fight club the strongest and smartest men who‘ve ever lived. I see all this potential, and I see squandering. God damn it, an entire generation pumping gas, waiting tables; slaves with white collars. Advertising has us chasing cars and clothes, working jobs we hate so we can buy shit we don‘t need. We‘re the middle children of history, man. No purpose or place. We have no Great War. No Great Depression. Our Great War’s a spiritual war… our Great Depression is our lives. We‘ve all been raised on television to believe that one day we‘d all be millionaires, and movie gods, and rock stars. But we won‘t. And we‘re slowly learning that fact. And we‘re very, very pissed off.

yeah, das ist harter stuff. da der film von david fincher auch noch recht gut inszeniert worden ist, verfaengt sowas schon irgendwie. wie er da steht, tyler, mit seinem makellosen koerper, gleichzeitig so unfassbar tough und cool, jeder moechte sein wie er: er kriegt die frauen, er kann sich kloppen, er hat die sprueche. es sind solche und andere passagen, in denen der rebell in uns allen angesprochen wird, in denen wir uns wuenschen, auch so zu sein, auch auszubrechen von allen gesellschaftlichen konventionen. warum eigentlich alles so schlimm und ablehnenswert ist? kein wort, wofuer auch? hauptsache dagegen – die pose ist zur ideologie geworden. und doch muss alles so unglaublich pathetisch enden, mit einem sich in den armen liegenden pärchen vor zerbrechenden hochhaeusern in einer namentlich nicht weiter genannten amerikanischen grossstadt (oder ist es doch new york?).

lange zeit hatte dann nicht wirklich etwas mit dem sonstigen literarischen Œuvre (ich bin so stolz, so ein wort hier anbringen zu koennen) von palahniuk zu tun, ehe ich dann auf die idee kam, mir doch mal ein paar seiner buecher zu kaufen. am ende hatte ich in relativ kurzer zeit flug 2039 gelesen, danach kam der simulant und es wurde mir irgendwie langsam ein bisschen anstrengend, denn in diesen romanen geht es im grunde immer um dasselbe: den ausbruch eines merkwuerdigen mannes aus einer selbst empfundenen gesellschaftlichen zwangsweste, and: it gets even worse.

die geschichten gleichen sich auch so wie ein haar dem anderen und der verdacht, dass diese buecher mit einem computerprogramm geschrieben wurden, draengt sich mir immer mehr auf. wers nicht glaubt, dem zitiere ich gerne mal ein paar zusammenfassungen von amazon:

Er scheint ein ganz normales Leben zu führen: Tender Brenson arbeitet tagsüber als Hausdiener, und nachts übt er sich in telefonischer Seelsorge. Doch er ist der Letzte seiner Art, der letzte Überlebende einer strenggläubigen, kultischen Gemeinde, die kollektiven Selbstmord verübt hat. Allerdings scheint jemand bei manchem Mitglied etwas nachgeholfen zu haben, und auch Brensons Stunden sind gezählt.

(ueber flug 2039)

Nur zwei Wünsche beherrschen das Leben von Victor Mancini: schnelles Geld und schneller Sex. Und er hat äußerst ungewöhnliche Methoden entwickelt, um von beidem möglichst viel zu bekommen. Doch einem Gefühl der Leere und Langeweile kann Victor nicht entkommen, bis er eines Tages auf die Ärztin Dr. Marshall trifft.

(ueber der simulant)

Mit leiser Stimme gesungen oder nur in Gedanken rezitiert, vermag ein afrikanisches Wiegenlied jeden zu töten, der es hört. Würde dieses Schlaflied durch Radio oder Fernsehen verbreitet, es brächte Millionen von Menschen die ewige Ruhe. Gemeinsam mit drei äußerst unterschiedlichen Mitstreitern, die alle auch ihre ganz eigenen Interessen verfolgen, begibt sich der Reporter Carl Streator auf eine phantastische Reise durch Amerika, um dieser unheimlichen Bedrohung Einhalt zu gebieten .

(ueber lullaby)

der faden ist gesponnen: ich werde mich in den naechsten wochen mit einem faehigen computerprogrammierer zusammensetzen und die ultimative roman-schreibe-maschine von chuck palahniuk nachbauen. so schwer kann das nicht sein: enttaeuschter 30-40jaehriger mann, der eine ins ekelhafte gesteigte neigung zu absonderlichen praktiken (auch sexueller art) hat, trifft komische, durchgedrehte frau, die entweder boese absichten oder uebernatuerliche faehigkeiten hat – oder seine unsterbliche liebe werden soll. und meistens sogar alles drei auf einmal. dann trifft dieses duo noch ein paar andere freaks, jeder mensch ist sich in der welt von palahniuk spinnefeind und trachtet nur danach, dem jeweils anderen moeglichst hab und gut und dazu am besten noch das leben zu nehmen. alle menschen sind haesslich, eklig und gemein. und mittendrin: ein antiheld, der einfach partout nicht sympathisch werden soll. es nervt. so reist dieses gespann durch die usa, staendig auf der flucht und gleichzeitig auf der suche: sinn hat sowieso gar nichts, warum also damit anfangen, einen handlungsfaden zu entwerfen? ihr habt fight club gesehen und findet es cool, wie edward norton in kurzen exkursen auf die absurditaeten im versicherungsgeschaeft eingeht? ich auch. bis ich der simulant las und dachte: das scheint methode zu haben. victor mancini ist sexsuechtig und weiss alles ueber sextechniken. die freundin von carl streator ist immobilienmaklerin und weiss alles ueber moebelstuecke. tender brenson ist ein bodybuildingfreak. man kann ein buch von palahniuk eigentlich auf jeder beliebigen seite aufschlagen, und man wird dort immer nur zwei dinge finden: uebertrieben ausufernde beschreibungen von nebensaechlichkeiten oder aber weisheiten, die gar keine sind. beispiele gefaellig?

wir gehen ein paar schritte weiter, und der korridor verwandelt sich in einen wald aus garderoben und hutablagen, schirmstaendern und mantelstaendern. dahinter erhebt sich die naechste wand aus vitrinen und schraenken. „elisabethanisch“, sagt sie und beruehrt ein stueck. „tudor..eastlake..stickley..“
wenn man zwei alte stuecke nimmt, zum beispiel einen spiegel und eine kommode, und zu einem stueck zusammenfuegt, sprechen die fachleute von einem verheirateten stueck, erklaert sie mir. als antiquitaet hat das dann keinen wert mehr.

die beste methode, sen leben zu vergeuden, ist staendiges notizenmachen. die einfachste methode, dem leben aus dem weg zu gehen, ist einfach nur zuzusehen. auf die details achten. berichten. nicht teilhaben.

um es kurz zu machen: es ist furchtbar. entweder der uebersetzer der buecher ist hauptberuflich schwerverbrecher oder aber da ist wirklich nicht mehr zu holen. immer dasselbe. immer. und am ende geht natuerlich alles total schief und irgendwie halt auch nicht, wie in einem modernen maerchen. auf jeden fall ist diese welt eine ganz furchtbare (da stimme ich zu), aber warum sie das ist, das werden wir von herrn palahniuk wohl nie wirklich erfahren. er ist naemlich nur daran interessiert, zu schildern, wie sich ihre fuerchterlichkeit aeussert. aber dafuer wuerde es mir auch reichen, einen tag durch die stadt zu gehen. also, an all die schlauen menschen, die hier lesen: sagt mal ein paar coole buecher. aber bitte nichts ueber spleenige maenner mit komischen vorlieben. sonst fange ich auch an, einen roman zu schreiben.


5 Antworten auf “first rule is”


  1. 1 ahoibrause 30. Mai 2009 um 5:41 Uhr

    coole bücher?! „der bfc war schuld am mauerbau“ von andreas gläser ;-)

  2. 2 atzepeng 31. Mai 2009 um 20:55 Uhr

    „stadionpartisanen“, „kritik der reinen toleranz“ oder mal was von richard overy (zb russlands krieg)

  3. 3 amIspecial 31. Mai 2009 um 21:33 Uhr

    clemens meyer — „als wir träumten“, „die nacht, die lichter“.

    thomas lehr — „42″, „nabokovs katze“.

    alles von wolfgang borchert.

    axel brauns — „buntschatten und fledermäuse“.

    dave eggers — „ihr werdet (noch) merken, wie schnell wir sind“.

    christoph ransmayr — „der fliegende berg“.

    norbert zähringer — „als ich schlief“.

    jetzt habe ich mein pulver glaub ich verschossen. aber sollte für ein paar monate reichen.

  4. 4 goniwe 01. Juni 2009 um 1:58 Uhr

    juhu, danke!

  5. 5 zudummbistdu 04. Januar 2011 um 4:11 Uhr

    das ist wirklich einfach nur traurig.
    erstens du musst wirklich einbisschen blöd sein, wenn du diese bücher, die ja sogar die breite masse verstehen kann, so deutest wie du es in diesem artikel geschildert hast. das macht mich wirklich traurig und das tut mir wirklich leid für dich.

    1) wenn du in tyler durden tatsächlich nur einen typen siehst, der „sich kloppen kann, alle weiber kriegt“ und „sprüche kloppt“ dann musst du einfach nur völlig dämlich sein und hast diesen film, das buch und grundlegende sachen die in dieser welt(einschliesslich des wertesystems in deinem kopf) schief gehen, EINFACH NICHT VERSTANDEN! UND DAS IST TRAURIG!

    ich könnte mir das jetzt eigentlich sparen.
    und andere menschen, die auch nur einen funken intelligenz haben, und deine rezension lesen und dabei die zitate mit dem von dir geschriebenen müll vergleichen, werden sich das auch denken. und sich das auch sparen
    aber ich dacht mir dann irgendwie doch ich versuch dich mal ins rechte licht zu rücken damit du nicht auf ewig dich in deiner dummheit suhlst.

    schau dir mal deine dämlichen einträge hier an, die klingen nämlich offensichtlich absolut nicht einander ähnlich, wie die bücher von chuck, die wahrscheinlich ein computerprogramm geschrieben hat. (nur zur info für einen trottel wie dich: das war IRONIE.)

    und wenn du denkst es geht darum zu schocken, dann kann ich dich beruhigen es geht nicht darum zu schocken, sondern fantasie zu haben, die du offensichtlich in deiner, in plastik eingepackten welt, nicht hast.
    sexsucht gibt es wirklich. und wenn du davon nicht betroffen bist, dann heisst es nicht, dass es da ist um dich zu schocken.
    aids gibt es wirklich und die menschen stecken sich ganz einfach an und sterben und du treibst es (wenn überhaupt) trotzdem weiterhin ohne gummi obwohl er oder sie noch nie ein test gemacht hat? (so sicher bist du dir?)(wahrscheinlich bist du auch noch so ein latent-homophobes arschloch, das denkt, dass du nicht gefährdet bist)
    sekten gibt es wirklich, und menschen werden von anderen menschen tatsächlich missbraucht und gequält.
    menschen qüalen sich, andere menschen, tiere und die ganze welt. während dessen dreht sich deine welt um „sich kloppen können, alle weiber kriegen“ und „sprüche kloppen“.
    wenn du die erkenntnisse zwischen den zeilen nicht lesen kannst dann ist das dein problem, aber dann behalt dein schmalspurgesülze für dich.

    viel spass in deiner kleinen langweiligen verkorksten pseudolinke-szene-welt.

    „auf jeden fall ist diese welt eine ganz furchtbare (da stimme ich zu), aber warum sie das ist, das werden wir von herrn palahniuk wohl nie wirklich erfahren.“ herr palahniuk hält es nicht für nötig es nochmal für blöde menschen wie dich zu transkribieren. seine leser haben nämlich auch eigene gehirne, so denkt er, und können tatsächlich selber denken und zusammenhänge verstehen.

    viel spass in deinem leben in essen.

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