another album, another plague

ein alter freund von mir hatte schon vor jahren einen exzellenten musikgeschmack und schickte mir immer wieder einige wahre musikalische perlen per icq zu. darunter waren nicht nur das bereits hier erwaehnte champion sound von jay dilla und madlib, deren wichtigkeit fuer die hiphopwelt man eh nicht oft genug betonen kann, sondern beispielsweise auch das unglaubliche smoothe la rhumba von rza alias bobby digital. und dann war da noch ein track, dessen beat sich quasi in mein hirn brannte: invincible von capone n noreaga aka cnn. tatsaechlich habe ich es nicht geschafft, eine korrekte version von dem track auf unser aller lieblingsplattform youtube zu finden, darum habe ich jetzt gleich drei verschiedene im angebot: einmal das instrumental, dann den (sehr coolen!) originaltrack, aus dem der beat gesampled ist, jimmy boy and vela – hey boy over there und schliesslich eine liveversion von der diesjaehrigen europatournee, in dem man uebrigens sehr gut sieht, wieviel ein guter beat wert sein kann, wenn man live auftritt.

und auch sonst kann man sich capone n noreaga mehr als einfach nur so anhoeren, vor allem ihr debutalbum the war report. das hatte unter anderem mit tracks wie tony (top of new york), parole violators, bloody money oder halfway thugs wirklich sehr viel gutes material drauf und wurde darueber hinaus auch noch ein kommerzieller erfolg. ob capone unter anderem auch deshalb bei parole violators – zu deutsch: ‚bewährungsverstoßer‘ – nicht mitrappt, weil er genau wegen diesem vergehen waehrend der albumpromotion schon wieder in den knast musste, weiss ich nicht, dafuer aber dass die gangsterattituede der beiden nicht gespielt ist, denn capone verbrachte wie bereits angedeutet einige zeit seines lebens in den strafanstalten seines heimatlandes. im jahr 2000 hiess es dann the reunion und mit einem insgesamt doch um einiges schwaecheren album versuchten die beiden nochmal auf sich aufmerksam zu machen. man hatte neben dem erwaehnten supertrack von primo noch nas und auch mal wieder havoc von mobb deep an bord, aber irgendwie – naja, sieht vielleicht auch jeder anders. ich zumindest komme meistens ueber die sachen aus den 90ern nicht mehr so hinweg. so, nachdem wir nun viel geredet haben ueber dinge, die schon passiert sind: vor 3 tagen ist das neue album von CNN rausgekommen, channel10.

tja, was soll ich zu einem album sagen, dass ich noch nicht gehoert habe? genau genommen nicht viel. aber merkwuerdige ahnungen, die mich beschleichen, die sind schon jetzt vorhanden. es ist ein staendig ueber der musikindustrie schwebendes unheil, dass sich kuenstler bestaendig neu erfinden muessen, um interessant zu bleiben, weil jeder trend solange ausgereizt wird, bis man es zum kotzen satt hat und niemand mehr wirkliche innovationen liefern kann. dann braucht man einen imagewechsel, traegt andere klamotten, verkauft sein neues album mit einem anderen konzept und erzaehlt in interviews, dass man jetzt ‚reifer‘ sei oder das album die ‚persoenliche weiterentwicklung‘ dokumentiere. im hiphop muss man sich zum glueck eher selten derart daemliche phrasen anhoeren (als fan von den toten hosen waere ich schon verrueckt geworden, wenn ich bedenke, wieviel wandlungen diese band schon durchgemacht hat), dafuer aber mitansehen, wie ehemals gute kuenstler einem style hinterherlaufen, der so attraktiv ist wie aeh.. ihr wisst schon. wie komme ich auf diese ganzen wirren gedanken? ich habe mir auf der myspace-seite von capone-n-noreaga das video zu rotate, der singleauskopplung vom neuen album angesehen und bekenne ganz freimuetig: ich koennte kotzen.

was ist aus diesen hardcore-rappern geworden, die da jetzt musik mit ron browz machen? hilfe! auf the reunion bekannte capone noch:

im the messiah, recognize it, political prisoner / from the projects, I send shots where the cops is

und jetzt? ich hoere eine verkackte hook und hoffe, dass wenigstens die von primo und alchemist produzierten tracks auf dem album ein wenig mehr taugen. vielleicht bin ich ja auch einfach unfair, ich weiss es nicht. aber auf einer sehr guten seite, die ich gerne besuche, wurde neulich rakim, eins von new yorks urgesteinen, folgendermassen zitiert:

„There is a certain realm of Hip-Hop [that is missing] and you might have to blame that on New York“, Rakim said. „New York is responsible for bringing that raw, that real gritty Hip-Hop, because we originated it.“

meine nie besuchte weltlieblingsstadt hat in den letzten jahren tatsaechlich einiges an boden verloren: die knicks hatten genau wie die musik von dort auch schon bessere zeiten. bringt das doch bitte wieder zurueck. am besten mit einem album, dass mich voellig unerwartet in ein paar tagen aus den socken haut. wir brauchen auch ueberraschungen im leben.


2 Antworten auf “another album, another plague”


  1. 1 Toplez 21. April 2009 um 18:01 Uhr

    dein text is sehr interessant geschrieben und ich stimme dir vollkommen zu. sicherlich hast du die von dir erwähnten tracks von channel 10 mitlerweile auf you tube gehört und ausser der fette bauch von nore bei „The Argument“ hat mich leider nix vom hocker gehauen. aber die musiker habens auch schwer denn die zeit steht nicht still und so geht es ja der ganzen industrie…. wie auch immer da muss man als hip hop head durch … ich schweife ab, ich wollt dir nur sagen das es doch immer mal wieder ganz gute lieder gibt die in meiner plattenkisste auftauchen und dort behütet verschwinden ich empfehle dir dir sicher schon bekannt

    CunninLynguists, auch Live sehr sehr überzeugend
    die meisten sehr geilen produktionen von Stoupe The Enemy of Mankind bzw Jedi Mind Tricks
    von den „newcomern“ überzeugt mich nur Saigon und Tangled Thoughts…..

    Peace

  2. 2 goniwe 21. April 2009 um 22:48 Uhr

    hey! immer wieder cool, hier mal neue meinungen zu lesen, auch wenn das posting ein wenig betagter ist.

    ich fand das album ehrlich gesagt auch nicht so gut, nichtmal der primo-track hat mich wirklich ueberzeugt. der beat von alchemyst ist ganz cool, the argument fand ich vom text her noch ganz interessant fuer paarmal hoeren, der rest.. nunja. sicher kein muell, aber einfach nicht zu vergleichen mit war report oder the reunion.

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